Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V. Hannover: Sexuelle Gewalt und Behinderung

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung

Foto Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V. HannoverMenschen mit Lernschwierigkeiten fordern in einem Faltblatt vom Netzwerk People First Deutschland, dass man mit ihnen so umgehen soll, wie man es sich für sich selber auch wünscht. Das wünschen sie sich besonders, wenn es um die Themen Sexualität und sexuelle Gewalt geht. Sie sagen ausdrücklich: "Man darf keinen Unterschied machen, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Sexuelle Gewalt betrifft ALLE."

Wir unterstützen diese Forderungen und sind der Meinung, dass Menschen mit egal welcher Behinderung dasselbe Recht auf Schutz, Begleitung und Aufklärung haben wie andere Menschen auch.

Wir bieten Rat und Hilfe für Frauen und Mädchen mit Behinderungen, die von sexueller Gewalt betroffen sind.

Insbesondere bei Klientinnen mit Lernschwierigkeiten verlaufen die Kontakte oft über Betreuungspersonen. Manchmal ist es hilfreich, wenn eine Vertrauensperson in die Beratung mit einbezogen wird.

Auch wir wollen Frauen und Mädchen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen nicht als "besondere" Klientinnen betrachten. Wir berücksichtigen, wie bei allen Klientinnen, ihre individuellen Lebensbedingungen. Diese sind oft von Abhängigkeit und Fremdbestimmung geprägt, die die Persönlichkeitsentwicklung und damit auch die Beratung beeinflussen.

In unserem Arbeitskreis „Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen“ sind wir in einem regelmäßigen Austausch mit VertreterInnen aus Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Auch Fortbildungen und Informationsveranstaltungen, die wir in Einrichtungen durchführen, helfen uns, die Lebenssituation der Klientinnen mit Behinderungen besser zu verstehen und für eine qualifizierte Arbeit zu berücksichtigen.

Für private und professionelle Vertrauenspersonen bieten wir Fachberatungen, Mitarbeiterfortbildungen oder Elternveranstaltungen an, damit diese den Klientinnen bei Bedarf im Alltag hilfreich zur Seite stehen können. 

Weitere Informationen über sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung

Foto Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V. Hannover

  1. Frauen mit Behinderungen sind - entgegen häufiger Annahmen - mindestens genauso oft von sexueller Gewalt betroffen, wie ihre nicht behinderten Geschlechtsgenossinnen. Studien und Erfahrungen deuten darauf hin, dass Frauen und Mädchen mit Behinderungen, insbesondere mit geistiger Behinderung, überdurchschnittlich oft Opfer von sexueller Gewalt sind.
  2. Wenn Frauen mitteilen, was ihnen passiert ist, sehen sie sich häufig mit zusätzlichen Vorurteilen konfrontiert, die dazu führen können, dass ihnen nicht geglaubt wird.
  3. Frauen mit Behinderungen erleben im Rahmen von medizinischen Untersuchungen und Behandlungen, Therapien, Pflegemaßnahmen und Assistenz oft von Geburt an Berührungen, Begutachtungen und auch schmerzhafte Behandlungen. Eingriffe im intimen Bereich, die meist notwendig und unvermeidlich sind, aber dazu führen, dass Frauen das Gefühl haben: „Mein Körper ist irgendwie öffentlich und nicht in Ordnung!“ So entwickelt sich meist kein positives Verhältnis zum eigenen Körper.
    So fällt es schwer, sexuelle Übergriffe als solche zu erkennen und diese zurückzuweisen.
  4. Es ist eine Tatsache, dass sexuelle Übergriffe häufiger von Personen aus dem nahen Umfeld der betroffenen Frau (Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen) verübt werden, als von Fremdtätern. Dies gilt genauso für Frauen mit Behinderungen. Da sie aber meist in stärkerer Abhängigkeit von den Menschen in ihrem Umfeld leben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass potentielle Täter gleichzeitig auch Menschen sind, auf die die betroffene Frau in ihrem täglichen Leben angewiesen ist, hier noch größer. Das dies ein besonderes Problem darstellt, liegt nahe.
  5. Oft wird daran gezweifelt, dass insbesondere Menschen mit geistiger Behinderung verlässliche Zeugen sein können. Bei Anzeigeerstattungen und Gerichtsverfahren führt dies neben anderen Vorurteilen u. U. dazu, dass die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs des Täters erhöht ist. Auch Frauen mit einer Körperbehinderung berichten mitunter von ihren Erfahrungen, im Verlauf des Verfahrens nicht für "voll" genommen und in ihrer Glaubwürdigkeit angezweifelt zu werden. Unklarheiten bei der Auslegung der anwendbaren Gesetze (§§ 177 und 179 StGB) verkomplizieren die Situation weiterhin.
  6. Wie gravierend die Folgen von erlebter sexueller Gewalt für das weitere Leben der Betroffenen sind, hängt nicht nur von den Umständen der Tat ab, sondern auch davon, wie das Erlebte verarbeitet werden kann. Hierbei sind Anerkennung dessen, was passiert ist, sowie Unterstützung durch das Umfeld der Betroffenen, aber auch die Möglichkeit bestehende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, von entscheidender Wichtigkeit. Aufgrund eingeschränkter Mobilität und/oder verminderter Teilnahme am öffentlichen Leben kann der Zugang zu den bestehenden Angeboten für Frauen mit Behinderungen aber sehr erschwert sein.
  7. Als Folge der angesprochenen Schwierigkeiten können auch Angehörige, BetreuerInnen, Pflegepersonal und andere Bezugspersonen, denen sich die Betroffenen mitteilen, und die unterstützend zur Seite stehen möchten, besonders großem Druck ausgesetzt sein und sich vielleicht auch mit der Situation überfordert fühlen. Hier kann es ganz besonders wichtig sein, sich selbst Unterstützung zu holen.
  8. Thematisierung von sexueller Gewalt, Information und Sensibilisierung für dieses Thema können auch in Einrichtungen für behinderte Menschen einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten.

Zusätzliche Angebote für Frauen mit Behinderung

Mit dem Arbeitsschwerpunkt "Frauen und Mädchen mit Behinderungen, die von sexueller Gewalt betroffen sind" bietet der Frauennotruf Hannover neben der Beratung auch Prävention, Stärkung und Unterstützung von Klientinnen mit Behinderungen, sowie Beratung von Angehörigen und professionellen Bezugspersonen an.

Es werden zunehmend mehr Klientinnen mit geistiger Behinderung oder Lernschwierigkeiten für die Beratung angemeldet. MitarbeiterInnen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe bestätigen in Fortbildungen und Fachberatungen den dringenden Bedarf an weiteren Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Frauen und Mädchen.

Deswegen möchten wir gerne auf einige zusätzliche Angebote des Frauennotrufs aufmerksam machen:

  1. Wen-Do-Kurse für Frauen und Mädchen mit geistigen und körperlichen Handicaps.
    Bei Wen-Do werden Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsstrategien vermittelt. Wen-Do setzt bei den Fähigkeiten der Teilnehmerinnen an und stärkt das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit. Weitere Informationen finden Sie auch unter Wen-Do in leichter Sprache.
  2. Die Beratungsstelle kennenlernen
    Für Frauen- und/oder Mädchengruppen gibt es die Möglichkeit die Beratungsstelle zu besuchen und sich über die Arbeit des Frauennotrufs zu informieren.
  3. Beratung für Angehörige und andere Bezugspersonen
    Bezugspersonen, an die sich Betroffene gewandt haben, können sich selbst beraten lassen, um eigene Gefühle und Möglichkeiten zu klären, wie sie den Betroffenen hilfreich zur Seite stehen können.
  4. Fachberatung für MitarbeiterInnen aus Wohnheimen, Werkstätten oder Förderschulen.
    Wir unterstützen bei Fragen zum Umgang bei Verdacht und bei Fällen von sexualisierter Gewalt sowie zur Prävention.
  5. Workshops und Fortbildungen zu den Themen Prävention und Sexuelle Gewalt
    • für Frauen und Mädchen mit Behinderungen
    • für Fachkräfte aus Einrichtungen
  6. Informations- und Lehrveranstaltungen für Fachkräfte
  7. Informationsveranstaltungen sowie Workshops für Eltern und Angehörige
  8. Vorträge und Tagungen
  9. Facharbeitskreis „Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen“

Wenn Sie Interesse an unseren Angeboten haben, würden wir diese gerne einmal bei Ihnen vorstellen. Vielleicht möchten Sie Wen-Do-Kurse auch für Ihre Bewohnerinnen durchführen. Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Arbeitskreis (AK) Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderung

Für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Einrichtungen für Menschen mit Behinderung hat der Frauennotruf im März 2007 den Arbeitskreis „Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen“ gegründet.

Im Arbeitskreis sind Wohn- und Werkstätten der Behindertenhilfe aus Hannover, Großburgwedel, Seelze, Diekholzen und Helmstedt vertreten. Darüber hinaus beteiligen sich der Frauennotruf, die Fachhochschule Hannover, die Ansprechpartnerin für Lesben der Stadt Hannover, eine freiberufliche „Peercounselorin“ (Beraterin mit Behinderung für Menschen mit Behinderung) und eine freiberufliche Gestalttherapeutin.

Der Arbeitskreis trifft sich 5 bis 6 mal im Jahr in den Räumen des Frauennotrufs. Weitere InteressentInnen sind willkommen.

Der Arbeitskreis bietet MitarbeiterInnen aus verschiedenen Einrichtungen Gelegenheit, sich über Vorkommen, Prävention, Materialien und Handeln im Zusammenhang mit der Thematik "Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen" auszutauschen. Darüber hinaus werden aktuelle Geschehnisse und Erfahrungen im kollegialen Austausch besprochen, gegenseitige Unterstützung geboten, bestehende Materialien begutachtet und getestet, eventuell neue Materialien entwickelt.

Die interdisziplinäre Beteiligung (Behindertenhilfe, Beratung, freiberuflich Tätige, Betroffene und Wissenschaft) ermöglicht es, die Thematik aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und die Interessen und Unterstützung von Menschen mit Behinderung so optimal wie möglich zu gestalten.

Ziele

Der Arbeitskreis möchte die psycho-soziale Versorgung von Frauen und Mädchen mit Behinderung, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, verbessern. Dies erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen, Einrichtungsstrukturen, gesellschaftlichen Entwicklungen, aber auch mit dem eigenen Menschenbild, Normen und Werten und der eigenen Haltung in Bezug auf Sexualität und Behinderung.

Die aktive und aufmerksame Auseinandersetzung von Fachkräften und anderen Bezugspersonen im Arbeitskreis zielt ab auf:

Inhalte

Der Arbeitskreis war in den vergangenen Jahren maßgeblich beteiligt an einigen öffentlichen Veranstaltungen in der Reihe „Dran bleiben - Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen“ des Frauennotrufs:

Der Arbeitskreis trifft sich dienstags, von 14.00 bis 16.00 Uhr in den Räumen des Frauennotrufs.

Neue TeilnehmerInnen sind herzlich willkommen.

Die nächsten Termine in 2011 sind: 6. September und 8. November

Bei Interesse an Teilnahme oder Information zum Arbeitskreis:

Tel.: (0511) 33 21 12 , E-Mail: a.bazuin@frauennotruf.de oder info@frauennotruf-hannover.de

Reader

Mehr Informationen zum Thema Sexuelle Gewalt und Behinderung finden Sie in unserem Reader (PDF-Dokument):
Frauen mit Behinderungen in der Psychotherapie: Informationen – Methoden – Hilfestellung für die Arbeit mit sexuell traumatisierten Klientinnen. Dokumentation der Fortbildung mit Dr. Aiha Zemp am 15. und 16. November 2007 in Hannover

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